Der Klassenchat, ein soziales Netzwerk


Eine der (momentan) besten Entscheidungen in Zeiten von Corona war für uns die Einrichtung eines Echtzeitmessengers für unsere gesamte Schulgemeinschaft. Sowohl nahezu alle Kolleginnen und Kollegen, als auch der Großteil unserer Schülerschaft nutzt seit dem Zeitpunkt der Schulschließung diese Form der unkomplizierten Kommunikation in Echtzeit.

 

"Die Schülerinnen und Schüler (aber auch die Kolleginnen und Kollegen) dort abholen, wo sie stehen!"

 

Diesen Satz kann ich sowohl für unsere Kolleginnen und Kollegen als auch für unsere Schülerschaft voll und ganz unterschreiben. Der Grund, warum unser gewählter, datenschutzkonformer Messenger regelrecht eingeschlagen ist, ist die Tatsache, dass wirklich jeder WhatsApp kennt und somit absolut unkompliziert "umsteigen" konnte.

 

Neben einer Kollegiumsgroßgruppe, einer Organisationsgruppe und etlichen Klassengruppen für die entsprechenden Fachlehrer einer bestimmten Klasse sind nahezu flächendeckend Klassengruppen mit unseren Schülerinnen und Schülern entstanden.

Neben unserem "Teamportal", das als Dateiablage fungiert, ist der Messenger innerhalb kürzester Zeit zur zweiten tragenden Säule unseres momentan gut funktionierenden Systems geworden.

 

Der für mich (momentan) größte "Mehrwert" des Messengers besteht darin, dass ich vor allem durch Sprachnachrichten die soziale Beziehungsebene zu meinen Schülern halten kann. Ich bin ihnen nah, kann sowohl in der Klassengruppe alle morgens per Sprachricht begrüßen, aber natürlich auch in Privatschats Hilfestellung und Unterstützung geben. Das untere Video zeigt, wie sich schwerpunktmäßig meine Unterstützung und Beratung die letzten Wochen vollzog.

 

(Das Bild verlinkt zum entsprechenden Video auf meinem YouTubekanal)
(Das Bild verlinkt zum entsprechenden Video auf meinem YouTubekanal)

 

Natürlich sind auch kurze "Quick and Dirty" - Erklärvideos entstanden, um punktgenaue Hilfestellung geben zu können. Videokonferenzen sind im Falle einer Verlängerung der Schulschließung in Planung, waren jedoch bisher, nicht zuletzt auch aufgrund meines "Flipped Classrooms", nicht notwendig und würden eher wegen einer zusätzlichen Stabilisierung der Beziehungsebene zum meinen Schülerinnen und Schülern zum Einsatz kommen.

 

Nach zwei sehr intensiven Wochen mit tausenden Privatchats mit meinen Schülerinnen und Schülern ist mir aufgefallen, dass in der Klassengruppe selbst kaum Fragen gestellt werden, was mir ein neues, wichtiges Lernfeld für meine Klassen eröffnet hat:

 

Mein aktuelles, überfachliches Ziel besteht nun darin, den Klassen anhand der "Klassengruppe" das System "Netzwerk" mit all seinen Synergien und Chancen näherzubringen. Schon im Vorfeld habe ich immer mal wieder Schüler, mit denen ich in Privatchats Probleme klären konnte oder die mich auf irgendetwas hingewiesen haben, aufgefordert, ihre Frage, Lösungen etc. doch in der Klassengruppe zu teilen, da ich davon ausging, dass es für die ganze Klasse interessant und relevant sein könnte.

 

In der aktuellen Woche bin ich per Sprachnachricht offensiver vorgegangen und habe den Schülerinnen und Schüler versucht zu vermitteln, dass sie unsere Gruppe als "Netzwerk" verstehen müssen, in dem sie sich gegenseitig helfen können. Ich habe mich, was das Bereitsstellen von Lösungshilfen angeht, bewusst zurückgehalten und Fragen zunächst an die Gruppe weitergegeben. Schritt für Schritt bemerke ich nun erste Fortschritte, da auf eine Schülerfrage plötzlich ein Lösungsansatz durch einen anderen Schüler erfolgt. Diese Aktionen innerhalb der Klassengruppe wertschätze ich nun direkt mit einer entsprechenden Sprachnachricht und merke, wie sich da so langsam genau das entwickelt, was ich mir erhoffe.

 

Ich finde es toll, meinen Schülerinnen und Schüler neben dem fachlichen "Muss" auf spielerische Art und Weise eine überfachliche Kompetenz wie das Erkennen der Vorteile eines funktionierenden persönlichen Netzwerks "im Kleinen" näherzubringen.

 

Meine obigen Beschreibungen spiegeln meine aktuellen Erfahrungen (Stand:05.04.2020, drei Wochen Unterricht während der Schulschließung) wider, sind als Anregungen zu deuten und sollten nicht als der perfekte Endzustand verstanden werden. Was ich beschreibe, funktioniert in meinen Klassen und auch bei vielen Kollegen meiner Schule.

 

Momentan passiert in Deutschlands Schulen so Vieles, so viel Tolles. Ich bin mir sicher, dass sich da draußen noch ganz viele "Schätze" befinden, die hoffentlich Beachtung bekommen und bald zu lesen sind.

 

Diese Chancen hinsichtlich Schulentwicklung, die die momentane Zeit in wahnsinniger Geschwindigkeit mit sich bringt, überwältigen mich und bestätigen mich auch dahingehend, dass das Ganze etwas mit unserer Gesellschaft und speziell mit der Schule machen wird.

 

Also legt los und erzählt eure Geschichte und teilt eure Arbeit.

Wir können alle nur voneinander profitieren.

 

Euch alles Gute.


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